Categories: Jaenner 2020

Simuliert und umgesetzt

Sieben oberirdische, drei unterirdische Stockwerke. Insgesamt 40.000 Quadratmeter. Neue Labore. Neue Hörsäle. Neue Seminarräume. Der Neubau des Robotik- und Informatikinstituts der Tschechischen Technischen Universität (CVUT) ist ein echter Hingucker. Das Gebäude auf dem Areal der ehemaligen Uni-Cafeteria bietet Platz für 1500 Studierende und aktuell 150 Beschäftigte.

In den kommenden Monaten werden immer weitere Uniinstitute ins Gebäude übersiedeln und am Ende der Arbeitsplatz für knapp 350 Menschen sein. Seit 2014 wurde am Gebäude gearbeitet, seit Mai ist es fertig und Siemens hat daran-in Zusammenarbeit mit Hochtief CZ und VCES – federführend mitgewirkt. Technisch ist das Niedrigenergiehaus auf dem neuesten Stand und auch in jeder Beziehung ansehnlich. In den oberen Etagen besteht es aus einer Isolierfolienmembran aus ETFE (Ethylentetrafl uorethylen). Diese vor vier Jahrzehnten entwickelte Verbindung wurde zunächst als Innenbeschichtung in der Luft- und Raumfahrtindustrie eingesetzt. Mittlerweile kommt sie auch immer häufiger in der Bauwirtschaft zum Einsatz. Der Hohlraum unter der Doppelfassade dient als Solarkollektor und die Belüftung darin wird sorgfältig gesteuert. So werden Energieeinsparungen erzielt. Die in der Doppelfassade angebrachten Jalousien dienen zur Vermeidung übermäßiger Erwärmung, Kühltechnologien in Form von Kühlbalken sollen für ein angenehmes Innenraumklima sorgen. Eine ETFE-Fassade wurde verwendet, da dieses Material eine hohe Langlebigkeit aufweist, selbst dann, wenn es durch hohe Temperaturen beansprucht wird. Im Vergleich zu Glas ist es leicht, benötigt keine so robuste Tragstruktur und lässt mehr Wärme ein. Dank seiner nicht klebenden Oberfläche ist es dazu auch noch leicht zu reinigen.

Besonders spannend ist, dass beim Bau BIM eingesetzt wurde – Building Information Modeling. Das ist eine digitale Methode, mit der man Bau und Betrieb eines Gebäudes simulieren kann. Basierend auf einer von den Architekten erstellten digitalen 2D-Version, bauen die Gebäudespezialisten ein 3D-Modell, das mit Statikern und Bauherren abgestimmt wird. In Prag haben die Spezialisten von Siemens Smart Infrastructure individuelle Verkabelungen und Ausstattungen in das Modell eingegeben – und dann permanent überprüft, wie die einzelnen Arbeitsschritte ineinandergreifen. So konnten potentielle Schwachstellen und Probleme bereits im Vorfeld aus der Welt geschafft werden.

Ein weiterer Vorteil: Die einzelnen Arbeitsschritte können in der Bauphase aufeinander abgestimmt und Überschneidungen vermieden werden, was teure Mehrgleisigkeiten in der Bauphase verhindert. Während des Baus des CIIRC-Sitzes war es beispielsweise für die Modellierung des Bauvorhabens unerlässlich, eine präzise Verbindung der neuen und der rekonstruierten Gebäude zu gewährleisten. „Dank der BIM-Datenverarbeitung können wir Projektkosten, Arbeitszeiten und einzelne Arbeitsschritte gezielt verwalten“, sagt Martin Uličný, Mitinhaber des Projektarchitekten Technico Opava. In der Tschechischen Republik hat dieser moderne Ansatz gerade erst begonnen. Dementsprechend sind die Bauleiter dabei noch in einer Art Gewöhnungsphase.

Woran man sich übrigens nicht so leicht gewöhnt, ist die Parkplatznot in Prag. Auch im Gebiet um das neue Uni-Gebäude ist der Mangel an Stellplätzen enorm. Zumindest ein bisschen Abhilfe wurde beim Bau des Gebäudes geschaffen: Statt einer traditionellen Tiefgarage wurde ein computergesteuertes Parksystem installiert, das 188 Autos aufnehmen kann. Für ein Forschungsinstitut, das Theorie mit Praxis verbinden will, ist es natürlich auch unerlässlich, dass die Gebäudetechnik auf dem neuesten Stand ist. Das garantiert Siemens. Die gesamte Steuerungs- und Regelungstechnik auf dem Gelände stammt aus dem Hause, verbaut wurden dabei Desigo-PX-Steuerungen und ein Desigo-CC-Supervisor-Steuerungssystem. Die Desigo-PX-Stationen sorgen für einen reibungslosen Betrieb und ein angenehmes Klima, sie steuern die Klimaanlagen genauso wie die Jalousien und andere technische Geräte. Die gesamten technischen Systeme werden von einem Desigo-Supervisor-Control-System in eine Leitstelle integriert. Die Systeme sind so offen, dass sie auch von anderen Herstellern problemlos ergänzt werden können. Und der zusätzliche Vorteil: Wer auch immer an den Reglern sitzt, muss nur mit einem einzigen System umgehen können.

Weitere Informationen:
Lernen vom digitalen Zwilling (Partner Info Sommer 2020)

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